More pictures/mehr Bilder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist wieder soweit : es gibt eine neue Ausstellung, mit neuen Bildern, aber aus dem Zusammenhang meiner Kaukasus-Erfahrungen.

Die schwarzweissen Flüchtlingsbilder haben eine langen Weg gehabt (der immer noch weiter geht: im November wird das Nobel-Foto-Magazin SchwarzWeiss ein Portfolio bringen).

Jetzt kommen die farbigen. Anders liessen sich die alten sowjetischen Tankstellen an den Rändern der vielen Strassen, die ich in den post-sowjetischen Kaukasus-Republiken befahren habe, auch nicht präsentieren. Auch das Zeitgeschichte, auf ganz andere Art. Ein Aufbruch, Zeichen der Moderne - und jetzt Zeichen einer Vergangenheit, die nicht weiterleben kann, die nicht mehr beachtet wird. Kleine Statuen, die aus der Zeit gefallen sind und eigene Geschichten erzählen.

Ort: Galerie „Alles Mögliche“,

Odenwaldstraße 21, 12161 Berlin

 

© PiB

„They stand there like monuments: petrol stations, improvised or abandoned long ago. And people, improvising or even giving up.The photographer Jan Zychlinski, living in Bern, has traveled the edge of Europe, especially the South Caucasus. There he documented the fate of refugees for a long time, often displaced within their own country, victims of post-Soviet conflicts. On his travels, the old petrol stations were a sign of a past that also influenced the portrayed people. What was seen as a symbol of prosperity and mobility ended as a ruin. The lives of many people are also in the deadlock. And there seems to be no future for them, there on the edge.

Portraits of petrol stations and people will be shown in our gallery from 9th September until mid-November.

 

 

 

 

 

 

 

Tbilisi, May 2017

Odessa, April 2017

Two nights, on morning, one day after having an exhibition opening at Yerevan State University, March 2017

Exhibition opening at Yerevan State University, March 2017

The end of a circle: started in Tbilisi/Georgia one and a half year ago, the moving exhibition about the Refugee project from the South Caucasus comes to its end with a Exhibition in Yerevan/Armenia. Opened yesterday, 17th March 2017, it will last 4 weeks at the Yerevan State University.

Attended by the Ambassadors of Switzerland, Germany, Czech Republik and Poland (with my book in their hands) and the Dekan of faculty of Sociology and Social work as well as the head of the International office of the Yerevan State University it raised a lot of public interest regarding the topic of refugees in the South Caucasus region.

 

 

Will see what comes after.?! It's definitely  not the end of my caucasian engagement. But a break.

In zwei Wochen gibt es eine weitere Ausstellung in Berlin.

Ort: Haus der Demokratie, Greifswalder Strasse 4, 10405 Berlin

Vernissage: 16. Februar, 19.00 Uhr mit georischem Wein und Buchsignierung.

 

Herzlich willkommen!

 

 

In two weeks another exhibition will take place in Berlin

Venue: Haus der Demokratie, Greifswalder Strasse 4, 10405 Berlin

Vernissage: 16th of February, 7 pm with some nice Georgian Wine and Book Signing.

 

All of you're welcome!

 

 

The Idea is ongoing and the special issue of LiveZEKE recieved some attention from Massachusetts Institute of Technology (MIT)

 

 

 

Di

12

Apr

2016

Kiev Nights - even the fights went worse

Two nights in Kiev last week. At the same time the fights in the east went worse and in the South kaukasus the war between Azerbaijan and Nagorno Karabakh brock out again. 
But this young people don't want only to survive - the want to live their own life. The Hipsters, the Metal Band, only playing for four of us, the mixed local and international community at the legendary "Fryday" Party, the young artists in the temporary Techno Club in the very center of Kiev, or the Crimea Tartars celebrating thei own Rock'n Roll Band from their Home. Even the Shicky Micky girls, shaking their Bodies ...

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So

13

Dez

2015

Exhibitions Bern, Kornhausforum & Tbilisi Book Festival - the end of the story?

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So

06

Sep

2015

East and South in the West ... Ukraine

Friday the "Fryday". Saturday the field trip to visit again volunteers and IDPs. Some hundert km through the rainy country. Some hours talk with people who're doing their best to support each other and also the IDPs. Some visits and talks in IDP centers. Some pics as usual.

 

Somewhere in the nowhere the children recreation center "Druschba", means "friendship". Empty. Only three IDP families from the East living there. One young men with wife and two kids. Apart from that only women and some more kids. The world is so far away - but they themselves have also not ideas to change the situation.

Cut: A Crimea Tatare Settlement. I was told that in this village and even in the region there is a huge conflict between locals and the new so called "orthodox" Tartare community. Be carefull and all this things ...

Arriving there the first thing was that we were invited by the head of the community. It turns out that some small incidents were be taken by somebody to create a huge issue out of it. And another thing turns out: he is the commander of the Battalion "Krim", consiting mostly Muslims  (Crimea Tatars) but also more and more Ukrainians who are admiring the straigh life and values of the Tartares.

I was even invited to the evening prayer. And of course we had to stay there for the most exiting Crimea Tatarian Plow. A kind of heaven.

And Emils (the cook) flying Knive finally disapperead in my Bag.

And now he has a swiss army knive.

 

Back to Kiev through a rainy night.

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Fr

04

Sep

2015

"Fryday" in Kiev

"Fryday" in Kiev. Some fun, new contacts and some pics.

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Do

30

Jul

2015

"Abenteuer" Ukraine

 

 

 

 

 

Some times ago I was in Ukraine again. 


Und wieder Geschichten, Geschicke, Geschichte. 

Im Anschluss an einen Workshop zum Thema Community Development, zu dem Freiwillige aus dem ganzen Land eingeladen waren, hatte ich mich entschlossen, die teilnehmer in den unterschiedlichen Regionen zu besuchen. Ziel dieser Reise war es, mich mehr mit den konkreten Situationen und Herausforderungen vertraut zu machen und gleichzeitig die im Kaukasus begonnene Dokumentation weiter zu führen.

Dieser Workshop war im Rahmen des Projektes "Kriegsfolgen in der Ukraine gemeinsam überwinden" von der deutschen Organisation Deutsch-Russischer Austausch zusammen mit mit der ukrainischen NGO KrimSOS organisierten worden.


In vielen der Collective Houses am Eingang die Security, die immer misstrauig auf den Mann mit der Kamera und seine jeweiligen Begleiterinnen oder Begleiter schaut. Was gibt es zu verstecken, zu bewachen... ?

In einem dieser Häuser in Kiew ein Gespräch mit Michael, nach eigener Darstellung einer der Mitbegründer des radikal-nationalistischen (bzw. von vielen als faschistisch bezeichneten) Bataillons Asow. Die Flagge über seinem Bett zeigt neben der Wolfsangel, dem Symbol der SS-Division "Das Reich" auch die "Schwarze Sonne", unter anderem eingelassen in den Fussboden des Obergruppenführersaals der Wewelsburg, Hauptsitz der  SS-Führung.

Im Unterhemd und mit verbundener Hand wirkt er so anders, als sich die martialischen "Kameraden" sonst gern darstellen. 

Wie Michael war auch Anatolie auf dem Maiden bei den Auseinandersetzungen dabei - nicht auf der "rechten", sondern auf der "linken" Seite - was auch immer das aus der ukrainischen Perspektive bedeuten mag. Auf alle Fälle liegen die Hinter- und Beweggründe dieser Menschen 

anders, als wir sie aus mitteleuropäischer Perspektive gern sehen wollen.

 

Ohne Musik und Publikum tanzende Mädchen im Flur eines der von Flüchtlingen bewohnten Häuser, die dann auch unbedingt ein Bild mit mir habe wollten. Ein fast verlassenes Sanatorium am Rande der Stadt, die Bewohner, meist Flüchtlinge aus der Krim, sind irgendwo in der Stadt unterwegs, auf Arbeit oder die Kinder in den Ferien. Nur die kleinen Familienräume stehen offen.

 

Der Schock:  nette Menschen haben  meinen Mietwagen aufgebrochen und aus dem Kofferraum Laptop, Fotoequipment, alle persönlichen Notizen, usw. usw. usw. entwendet. Es war so ziemlich zum ersten Mal, dass ich die Fototasche im Auto gelassen habe. Und wohl auch das letzte Mal.  Öffentlicher Platz direkt vor einem Hospital-Eingang und die Polizei 100 Meter entfernt. Bittere Lehre.

 

Dennoch Fahrt durchs Land. Kiev, dann in den Osten. Dnjepropetrowsk, Zaboroshje, Kramatorsk, Sviatorhisk, Charkiv. Dann 1000 km und 16 Stunden auf der Strasse, ganz im Westen. Eine völlig andere Situation - aber auch hier viele Flüchtlinge. Hier treffen die Unterschiede in der Mentalität von Ost und West (nicht nur des Landes) voll aufeinander.

 

Im Osten: Dnjepropetrowsk - Millionenstadt, Industriestadt, Stadt mit doch erstaunlichem Wohlstand. Keine 200 Kilometer von der Front entfernt tummeln sich die Leute in lauer Abendluft am Ufer des Dnjepers, steht die grösste Synagoge der Welt und strahlt machtbewusst in die Nacht. Ebenso zeugt  der Boulevard eher von Luxus als von Krieg.

Am nächsten Tag eine andere Industriestadt, den "Ossis" unter uns noch bekannt von dem kleinen hässlichen Auto "Saporoshez": Zaporoshje, weiter im Süden. Auf einer Dnjeper-Insel die Rekonstruktion einer Kosaken-Festung als Symbol von Freiheit und Unabhängigkeit der einstigen Bewohner (interessantes Detail: die Sowjetregierung liess entlang des Dnjepers eine Vielzahl von Staudämmen errichten. Einerseits - und offiziell - natürlich zur Stromgewinnung. Inoffiziell wird die Flutung riesiger Landstriche, die als Siedlungsraum der unbotmässigen Kosaken dienten, natürlich mit deren Marginalisierung und Vertreibung in Verbindung gebracht!).

 

Küchengespräche in einer Arbeiterunterkunft, die tw. ebenfalls von Flüchtlingen bewohnt wird. Anschliessend der erste Besuch in einem der von der Deutschen Entwicklungshilfe aufgebauten sog. "Modul House Settlements", auf gut deutsch Container-Siedlung. 39 Grad, kein Lüftchen, alles wie narkotisiert. Es scheint, als wäre nur die 5jährige Katja lebendig - aber auf dem Flur drängen sich dann doch die Leute, die mit dem Fremden reden wollen.

Keiner glaubt, dass es bald zurück geht in die alte Heimat - sie sind einerseits dankbar für die Unterkunft, verstehen andererseits nicht, warum man ihn nicht lieber richtige Wohnungen zur Verfügung stellt. Die politische Logik hinter der Flüchtlingsfrage und der damit verbundenen Hilfe bleibt ihnen wie auch den vielen Freiwilligen, die sich um sie kümmern, verschlossen.

Weitere Besichtigungen und ein Interview mit der lokalen Presse. Weiter nach Kramatorsk und Sviatorsk. In der Ferne Gewitterdonner - die Menschen greifen aufgeregt zu den Telefonen und rufen ihre Verwandten oder Bekannten in den Dörfern, die direkt an der 30 km entfernt liegenden Front wohnen, an und wollen wissen, ob wieder geschossen wird. 

In Sviatorsk eine Art Arbeitsintegrations-Brigade, die je nach Wohlwollen der Organisation, die unter anderem auch Lebensmittelpackete des reichsten ukrainischen Oligarchen Achmetow (bzw. dessen Stiftung)  verteilt, zusammengestellt und eingesetzt wird.

Sanatorien, Kindergärten, Klöster (hier eine alte Frau vor der Tür der Unterkunft im Kloster Lavra in Sviatohirsk nahe Sloviansk) - wie bereits im Kaukasus gesehen, werden alle möglichen Plätze umgenutzt, um die vielen Menschen zu beherbergen.

Mitfahrer: demobilisierte Soldaten und selbsternannte Hippies - Zeitvertreib auf den endlos langen Strassen und  der meist recht eintönigen Landschaft. Unterbrüche immer wieder durch Strassensperren (die den dort stationierten Polizisten auch gern mal als zusätzliche Einnahmequelle dienen - z.B. sollte ich ohne Grund 200 Euro zahlen, damit man mich weiterfahren liess. Mit den Schweizer Franken, die ich noch bei mir hatte, konnten sie allerdings nichts anfangen und liessen mich ziehen).

Im Bahnhof Charkiv die grösste Registrierung-Einrichtung im Osten des Landes. Über hunderttausend Flüchtlinge sind bisher an diesen Tischen vorbei gezogen, haben diesen Wartesaal genutzt. Wieder die neuen Camps, wieder die alten Provisorien.

Übernachtung im zentral gelegenen Flüchtlingsheim der NGO "Stancia Charkiv" (Bahnhof Charkov). Doch auch die nächste Nähe zu diesen Menschen verdeutlicht einmal mehr die Entfernung des Beobachters!

 

1000 Km nach Westen: Lutsk und Lviv (Lemberg). Die Umgebung ist eine völlig andere - in den Unterkünften jedoch ähneln sich die Bilder und die Geschichten.

Never ending story???

 

 

 

 

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Mo

20

Jul

2015

Ukraine, second time

Erste Eindrücke meiner zweiten Reise in die Ukraine, wo ich ebenfalls zum zweiten Mal einen Workshop mit Freiwilligen aus allen Teilen des Landes, welche mit den vielen Flüchtlingen aus dem von Separatisten besetzten Osten arbeiten, durchgeführt habe: Frieden im Park, kriegerische Propaganda, und am Abend eine Demonstration auf dem Maidan*. Ansonsten ist Kiev nahezu eine normale Großstadt. Auf den Strassen herrscht reges Leben, die Kneipen u d Restaurants sind gut gefüllt - und wenn man nicht wüsste, dass im Land Krieg herrscht würde man es eigentlich nicht merken. Allerdings finden sich überall die kleinen Zeichen - von den vielen Uniformierten über die noch vom Euromaidan 2014 stammenden Ruinen, viele Grafities, Friedens- ebenso wie patriotische und nationalistische Plakate.

 

Nach Beendigung des Workshops geht es jetzt auf den Weg mit den Aktivisten von Krim SOS, einer NGO, die im Zentrum ihrer Arbeit die Flüchtlinge von der Krim hat, sich aber auch um andere Binneflüchtlinge kümmert.  Danach am Samstag zu vielen Projekten, welche die  Teilnehmer  an den verschiedensten Orten durchführen.  um zu sehen, wie sie wirklich arbeiten, unter welchen Bedingungen und Rahmenbedingungen, welche  Menschen dort leben und  Bilder zu sammeln, Geschichten, von denen bei "uns zu Hause" keiner etwas ahnt, geschweige denn weiss. Und auch über all die Absurditäten, die das nationale und internationale "Hilfe"-System hervorbringt. 

Stay tuned und ich werde weiter berichten.

 

 

 

* Nach einer tödlichen Schiesserei zwischen dem Rechten Sektor und der Polizei im Westen der Ukraine hatte Ministerpräsident Poroshenko angekündigt, die Rechtsaussen-paramilitärs entwaffnen zu wollen. Danach rief der Rechte Sektor zu einer martialisch anmutenden, aber wohl eher zahllosen Demo wiederum auf dem Maidan aus, wo er sich während der "Revolution" vor über einem Jahr gegründet hat.

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Do

23

Apr

2015

100. Genocide Anniversary

This Forgot-me-not is the symbol of the memory and the centennial of the Armenian Genocide. http://armeniangenocide100.org/en/
Tommorow is the day!

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Fr

10

Apr

2015

Black Garden Impressions

Fog and Ruins in Shushi, the old cultural capital of Karabakh. The forbidden town Agdam, where the persian Mosque turned to a cow barn and soldiers wanted to take my camera card. But fortunately I had two inside and erased the wrong one for them! Azerbaijanian graveyards , more ruins and destroyed armenian tanks an the road.  The bitter reality of a lost region.

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Mi

08

Apr

2015

Welcome to Black Garden

Ministry of Foreign Affairs Nagorny Karabach. A nice welcome ;-) But we got the Visa very fast and could start the trip around. Springtime, greenfields, blossoms and flowers. Walking down the Shushi Canyon, along the river Karkar.Sometimes crossing the river via strange bridges, sometimes walk through the cold water to see funny waterfalls.

But high above the gorge still hang the steel cables for defense against low-flying aircraft and in Karintak village a destroyed tank reminded of the continuing war. Alert status One. Military trucks everywhere on the roads, trained recruits and tanks on the fields.  

And on the former border between Armenia and Azerbaijan destroyed villages on one hand and new built refugee camps on the orher.



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So

05

Apr

2015

Good to be in Armenia again

This time in a Hotel. For two days. And this is the view from inside.

The other pictures are from the buildings in the background. Again all the contradictions that belongs to this country. 

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Mo

16

Feb

2015

Und das ist Bern ...

Mit der Wünschelrute für den Weltfrieden ... oder das Ego ... oder ... !

 

With a pair of witching stick for the peace of the world .. or for the ego ... or ... !

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Mi

11

Feb

2015

Tbilisi, last evening, sulfur-bath

Schwefelbad, lachende und nachdenkliche Männer. Abschied von Tbilisi, von der Region. Eine letzte Entspannung. Für dieses Mal.


Nach 5 Monaten Armenien, Georgien, Azerbajijan, Ukraine ... Auf den Spuren all der vertriebenen und geflüchteten Menschen, die nach dem Ende der Sowjetunion in dieser Region ihre Heimat verlassen mussten.

Geschätzte 20.000 km auf den Landstrassen, einige hundert Stunden Interviews, tausende Fotos - und viele, viele interessante Menschen.  In so vielen Hütten und wenigen Palästen. In Unis und Bergdörfern, im Schnee, im Schlamm und an den Stränden von zwei Meeren.


So viele Geschichten vom Überleben, Geschichten von Resignation und Trauer. Wenig Geschichten von Hoffnung. Und viele Geschichten davon, wie "die Mächtigen" mit diesen Menschen umgehen.


So viele unterschiedliche Wahrheiten ...



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Do

05

Feb

2015

Community Development in Baku

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Mi

04

Feb

2015

Das grosse Geheimnis - Azerbaijan

Baku als glänzende Stadt der Eurovision (Vision?) und der Eurogames (Games?).

Von allen Ländern, die Öl brauchen anerkannt. Nicht geliebt (hoffentlich) aber umworben.

Polizei- und Überwachungsstaat durch und durch. Und die internationale Community schaut einfach weg. Öl  ist soviel mehr wert als jedes Menschenrcht.


Aber es gibt hier im Land noch etwas 600 000 IDPs  (Intern Displaced Persons) aus Nagorny Karabakh. Diese Menschen, die oft unendliches Leid erfahren haben (wie auf der anderen Seite die Armenier ebenso) sind hier in ihrem Status gefangen und werden - ebenso wie in Georgien - von der Regierung als politisches Druckmittel gegenüber Armenien und der internationalen Gemeinschaft benutzt.

Natürlich gibt es das eine oder andere humanitäre Programm. Brillen für die wenigen schlecht Sehenden unter den Vertriebenen. Zu Feiertagen auch etwas zu essen... Charity statt Lebenshilfe. Zum Glück gibt es auch Ausnahmen wie den jungen Mann, der einen Trainingskurs absolviert hat und mit etwas Starthilfe jetzt einen Job gefunden hat.

 

In Georgien sagten mir viele, dass man sie wie Steine, wie lebloses Material behandelt, welches man hin- und her karren kann wie man will. Hier werden sie "vom Staat wie unmündige Kinder" angesehen (Zitat eines  Professors). Manche behandelt man gut, andere weniger. Aber alle sind abhängig und haben kaum Chancen auf ein eigenes Leben.

 

Die Menschen leben seit mehr als zwanzig Jahren abgeschottet von der Gesellschaft. Für viele hat der Staat inzwiscchen goldene Käfige gebaut - für andere nur rostige Schlösser. In beiden Fällen "Gated Communities", ummauert oder umzäunt, fern ab irgendwo am Stadrand oder auf dem freien Feld im Nirgendwo. Der "Rest" lebt in Häusern, Wohnungen, die nicht einmal ansatzweiseb diese Namen verdient haben.

Internationale und auch nationale NGOs haben damit nichts mehr zu tun, DER STAAT is eveywhere ....

 

Und alle haben Angst, irgendetwas zum Thema zu sagen. Das grosse Schweigen, verlegene Gesten, Angst in den Augen. Angst! Angst! Sie stinkt förmlich. 

 

but look to this people -  some oft hem even lied to us and called the police ...

then we're pushed out.

 

Angst und Sprachlosigkeit auch bei den beiden mutigen jungen Frauen, die mich als Dolmetscher begleitet haben. Letztlich Abbruch der Reise ... nothing more to do here!

 

what to hide?

 

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Di

27

Jan

2015

Approaching Baku

Nach 14 Stunden Nachtfahrt mit dem Zug von Tbilisi nach Baku ein pompöser Empfang in der Hauptstadt des Öls. Im Zug nicht nur ein Glas Chacha mit georgischen Öl-Arbeitern, die hier in Azerbaijan den Lebensunterhalt für ihre Familien verdienen. 

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Mo

26

Jan

2015

FAQ - Weg durch West-Georgian

Eine Woche West-Georgien. Von Tbilisi über Gori (Geburtsstadt Stalins, der dort noch immer ein eigenens Museum hat) und Umgebung nach Zugdidi nah der Grenze zu Abchasien. Wieder die Camps, abgehängt von der Gesellschaft. immer wieder die Erwartungen, wenn ein Ausländer kommt. Immer wieder die Enttäuschung, das wir keine NGO sind, die irgendwelche Hilfe bringt. Und immer wieder die Resignation, Hilflosigkeit und auch viel Selbstmitleid. Viele Menschen haben es schlicht verlernt, sich um sich selbst zu kümmern und leben in ihrem Klagen und in ihren Beschwerden gegen andere. Aber esgibt auch immer wieder diejenigen, die etwas tun, die sich nicht abfinden mit der Situation und versuchen, das Beste draus zu machen.

Zugdidi als einer der Schwerpunkte für IDPs. Sowohl in der Stadt wie auch in der Umgebung eine Menge von Camps, Collective Houses und einzelnen Häusern für die IDPs.

Am Stausee etwas 20 Kilometer von der Stadt entfernt Richtung svanetische Berge die alte Bauarbeiztersiedlung: die Menschen hier wurden über Nacht aus Ihren Wohnungen in Tbilisi abgeholt und in Bussen hierher gebracht: "Sie behandeln uns wie Ziegelsteine". Viele haben die Siedlung bereits wieder verlassen, weil die Bedingungen wirklich unerträglich sind. Wohin sie verschwunden sind weiss keiner und will auch keiner wissen.

 

Svanetische Bergtäler - hier leben die Ärmsten der Armen in Hütten oder Häusern von Verwandten oder anderen Dörflern, die vor der Armut in die Stadt oder ins Ausland geflüchtet sind. In eine der Hütten konnt ich nur tief gebückt  eintreten. 1,60 Meter Höhe, 8 Meter im Quadrat. Meri (70) lebt dort seit 15 jahren mit IhrerTochter.

 

Svanetische Türme - Wehrtürme aus dem Mittelalter und der Airport-Tower von Mestia.

 

Auf einem Dorfplatz plötzliche Ansammlung als sich herumsprach, dass Ausländer im Dorf sind und mit den Flüchtlingen sprechen wollen. Der Platz hat auf einmal wieder die ursprüngliche Bedeutung des Austauschs von Neuigkeiten, Klatsch und Alltag. Nach kurzer Zeit waren wir eher Zaungäste als aktiv Fragende.

 

In den Bergen auch meine rauschende Geburtstagsfeier in einem Raum mit zerbrochenen Fenstern, Vorhang statt Tür und einem Mini-Heizer, der immerhin 4 Grad zustande brachte.  Und "Gastgebern", die nur auf Geld aus waren. Aber der Wein war gut.

 

Zum Abschluss der Reise und der georgischen Erkundungen noch einmal ans Schwarze Meer. In Poti, einer nicht sehr ansehnlichen Hafenstadt eine grosse siedlung nur für Flüchtlinge. Hier fanden die Interviews nur ausserhalb der Wohnungen statt - ein grosser Unterschied.

 

Und am Strand von Anakia ein Meeting von UFO und Zyklopen.

 

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So

18

Jan

2015

Friedhofs-Unruhe

Zemo Kiosi - etwas ein Kilometer entfernt von Tskhinvali, der Hauptstadt Süd-Ossetiens. Dazwischen die Grenze. Im Dorf eine berühmete alte Kirche und ein Friedhof, der 2008 im Krieg von russischen Soldaten zerstört und  nicht wieder hergestellt wurde. Dort findet niemand mehr seine letzte Ruhe. Diese Geschichte erzählte mir eine Taxifahrer, der mich am letzten Wochenende nach Tserovani, dem grössten Flüchtlingscamp fahren musste, machdem hintereinander drei Mietwagen den Geist aufgegeben hatten.

Der Versuch, ins Dorf zu gelangen, wurde abrupt vom Posten der Grenzpolizei unterbrochen, die bereits am Dorfeingang die Weiterfahrt verweigerten. Während 7 Polizisten unterschiedlichster Dienstgrade etwa eine halbe Stunde damit verbrachten, meinen Pass zu insoizieren oder mit andereren Vor-Vorgesetzten zu telefonieren hatte ich genung Zeit, mir das  Plakat des norwegischen Minenräumkommandos anzuschauen. Ob es noch aktuell ist?

Das Verhalten der polizisten liess darauf schliessen, das irgendwo dort noch Gefahr lauert. Oder war es nur der deutsche "Tourist", der sie unsicher machte? Letztlich stiegen zwei von Ihne in ihren Jeep und forderten mich auf, ihnen zu folgen. Mann-Deckung bis in die Kirche hinein. Und verständnisloses Kopfschütteln, als ich die  zerstörten Grabsteine fotografierte.

Eine weitere Geschichte eines getrennten Landes.

 

 

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Do

15

Jan

2015

Some fun in Tbilisi

Mtatsmina-Vergnügungspark hoch über den Dächern der Stadt. Letztes Sonnenlicht, kalter Wind und fast keine Menschen. Ausser denen, die sich hier Ihr Geld verdienen.  Und sich dabei alle Mühe geben. Plötzlich ein lachender Afrikaner zwischen den Bäumen.

Auch in Tbilisi gibt es Krach-Musik: "Private Inferno" (was für ein passender Name) haben mich zu einer Ihrer Proben für das Wacken-Festival in Deutschland eingeladen. Auch im Nachbarstudio gibt es ordentlich Krawall und zum Anschluss DJing und Folklore. Cinema Stdios.

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Mo

12

Jan

2015

Die unfeinen Unterschiede

Tserovani  -  die inoffizielle "Hauptstadt" unter den georgischen Camps für Flüchtlinge. Nahe der Autobahn von Tbilisi nach Batumi gelegen ist die riesige Siedlung offen sichtbar und damit Aushängeschild für die Politik der Regierung. Die Häuser sind meist in gutem Zustand, die Infrastruktur einer Siedlung dieser Grösse entsprechend. Selbst die Arbeitslosigkeit ist aufgrund der Nähe zu Tbilisi nicht höher als der Landesdurchschnitt, wie Nana, die eine eigene IDP-NGO leitet, erzählt. Interessant war auch ihre Antwort auf die Frage, ob die Menschen sich hier in die lokalen Nachbarschaften integriert fühlen: es ist andersherum - die Dörfer sind aufgrund der guten Infrastruktur im Camp (Schule, medizinische Versorgung, eigenem modernen Verwaltungsgebäude, Sportmöglichkeiten etc.) hier intergriert. Verglichen mit anderen Camps scheint hier vieles irgendwie normal zu sein - selbst das Wissen, dass dieser Platz für die meisten hier Lebenden die Zukunft sein wird. Aber immerhin taucht hier das Wort "Zukunft" im positiven Sinne überhaupt auf. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede und Menschen, die "draussen" sind. EIn Mann hat sich und die Welt um sich herum völlig verloren, dafür aber seinen Gott gefunden. Auch eine Zukunft.

 

Szenewechsel: Preseti - abgelegen von jeder Strasse, in den Bergen, unsichtbar, auf keiner Landkarte und selbst bei GoogleEarth nicht zu finden. Obwohl es offen auf einer kahlen Bergkuppe liegt - dort schaut niemend hin. Eisiger Wind, kein Baum, kein Strauch schützt. Erst vor kurzem wurden die alten Holz-Toiletten durch wiederum ausserhalb der Häuser liegende Betonhäuschen ersetzt. Hier ist das Wort Zukunft unbekannt.  60 ummauerte Quadratmeter, dazu 2000 für Landwirtschaft. Keine Schule, keine medizinische Versorgung, keine Infratruktur. Auf den Wegen niemand zu sehen, manchmal hinterm Haus oder auf dem Land mit seinem Vieh.

Auch hier ist die Gastfreundschaft der Menschen gross - aber auch Ablehnung ist zu spüren. Keine Erwartungen! Zu viele Enttäuschungen. Ungewöhnlich, nur über den Zaun zu reden, hinter dem sich die Menschen verschanzen. Manche Gespräche dauerrn nur Minuten, dann wird es zu kalt. Auch in den Gesichtern. Ein ehem. Soldat, der in Tskhinvali, der Hauptstadt Süd-Ossetiens gekämpft hat, schweigt sofort, als die Rede auf dieses Thema kommt.

Die Dörfer ringsum sind fremd, die Isolation nahezu perfekt.

Selbst die Sonne ist eiskalt.

No future. ...

 

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Sa

10

Jan

2015

Churchill's Black Dog?

Sanatory "Schatjor", Tskaltubo, West Georgia

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Fr

09

Jan

2015

christmass is over

Studkalaki - inmitten des hippen und immer teurer werdenden Stadtteils Vake. der "Prenzlauer Berg", das "Seefeld" von Tbilisi. 5 uralte Häuser, ehemalige Studentenheime, in denen seit mehr als 20 Jahren Flüchtlinge aus Abchasien leben. Ringsum Bau-Boom und Schickie-Mickie. Wenige Lichter und Robert Capra an der Wand. Seit Jahren warten die Bewohner auf ein neues Zuhause, glauben aber keinen Versprechungen mehr, die regelmässig vor den Wahlen von sallen Seiten gemacht werden. Dieses Mal sollen es Wohnungen in Luxusbauten am Tbilisi-See sein, wie mir im Interview auch der stellv. Minister für  INTERNALLY DISPLACED PERSONS FROM THE OCCUPIED TERRITORIES, ACCOMMODATION AND REFUGEES OF GEORGIA versicherte.


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Mi

07

Jan

2015

Tbilisi again

Christmas Time. But there is no Santa Claus.

Twice a stranger

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Mi

31

Dez

2014

Auch Osten, Deutschland, Jahresende

Lenin schaut in die Zukunft, wo seine bloody Nachfolger das nächste neue russische Reich erbauen soll.. Der Rest des Landes ist verschneit. Sonst nichts. Germany - and the Georgiens love it. for what?

 

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Mo

22

Dez

2014

The sky over Berlin

... ist einfach nur weihnachtsgrau.

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Di

16

Dez

2014

Place for scary movies

Ehemaliges Sanatorium "Schachtjor" in Tskaltubo, Westgeorgien Hier haben nach den glorreichen Sowjetzeiten und der Völkerfreundschaft nach Ausbruch des Abchasienkonflikts mehr als 20 Jahre Flüchtlinge gewohnt. Aufgrund der völlig desplaten Situation hat die Regierung vor drei Jahren für diese Menschen neue Häuser gebaut. Neue Hüllen für die zerstörten Leben. Das alte Gebäude steht  leer und wartet auf wiederum bessere Zeiten. So viele Illusionen!

 

 

Sanatory "Schachtjor" in Tskaltubo, West Georgia. After sovjet time and the so called socialist friendship this was a place for refugees from Abchasia for more than 20 years. due to the poor condition the government built them new houses 3 years ago. New shells for destroyed lives. The old building waits for another better times. To many illusions.

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Sa

13

Dez

2014

The other side of Tbilisi

In Tbilisi ähnliche Bilder wie in Yerevan und anderswo in Armenien. Allerdings sind es hier vor allem ausgediente öffentliche Gebäuede wie ein Studentenwohnheim, Hotels, ein Sanatorium oder eine Kadettenschule, die den Flüchtlingen, die auch hier IDPs heissen, aus Abchasien und Südossetien eine Unterkunft bieten. Meist als vorübergehende Behausung gedacht sind sie für die meisten bereits seit 20 und mehr Jahren der einzige Platz, den sie haben. Auch hier wieder die Enge, die teilweise unsäglichen sanitären Bedingungen und die Versuche der Menschen, es sich dennoch irgendwie heimelich zu machen. An eine Rückkher in die Heimat glaubt niemand mehr, ebensowenig an die Versprechungen jeder neuen Regierung, an der Situation der IDPs etwas zu ändern.

 

 

Similar pictures as in Yerevan or somewhere in Armenia. But here the the refugees - the called them IDPs because they had to flee escape from Georgian Territory - lives mostly in former public buildings like Hotels, Sanatoriums, student dormitories or even in an military (cadet) camp. originally this buildings supposed to be a kind of temporary shelter - but now most of the people lives here for more than 20 years. Everything is dense, bad sanitary conditions etc. But again the attempts of the people to do something for feeling good inside their only walls they have.

Nobody beliefs in the propaganda to go back to their home and as well nobody beliefs to the promises of every new government to change the conditions of the IDPs.

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Di

09

Dez

2014

From Yerevan to Tbilisi

Die letzten Bilder aus Armenien. Auf dem Weg nach Tbilisi wieder alles im Nebel. Je näher ich der Grenze kam, umso grauer wurde das Land. Diesmal der Weg über Gyumri und nahe der türkischen Grenze. Kurzer Zwischenstop an einem der berühmtsten Klöster Armeniens, Marmashen. Und ein Blick auf die unfertigen Ruinen der Häuser in Gyumri, die nach dem Erdbeben von 1988 angefangen und nie zuende gebaut wurden. Zwischendrin haben sich doch Menschen angesiedelt, deren Behausungen sich aber nur wenig von den Ruinen unterscheiden. Auch das "Flüchtlinge", vertrieben aus ihren alten Wohnungen durch die Natur. Aber zurückgelassen von anderen Menschen, die gut an der Katastrophe verdient haben. In der kleinen Stadt Amasia, grüsst die Vergangenheit monumental.

Dann weiter in den Nebel - aber kurz vor der Grenze ein Lichtblick - und ein Rotes Kreuz.


Last pictures from Armenia. On the way to Tbilisi again everything was hidden in the fog. The closer I came to the border the more grey was the landscape. This time I choose the route via Gyumri along the Turkish border. Short stop at the famous monastery Marmashen Vank. And a look to the unfinished ruins in Gyumri. After the 1988 Earthquake the supposed to be built for the victims but they where never be built to an end. Inbetween this ruins however people have settled but their homes looks similar to the ruins. These are also refugees, expelled by natur but forgotten by other people, which have earned good money from the disaster relief.

In the small town Amasia the past is greeting with a monument.

Further on through the  fog - than a ray of hope. And a Red Cross.

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Fr

05

Dez

2014

Lake Sewan Wintertime

Einmal um den See auf dem Weg in die Vardenis-Region. Am Morgen alles in Grau und kein Sonnenstrahl, der dieses aufhellt. Dann unglaubliches Licht am späten Nachmittag. Immer wieder der Tritt auf die Bremse, um sich daran zu berauschen. Der See liegt ganz in Ruhe und ist umschlossen vom Weiss des Schnees und den Kontrasten der Landschaft und der Häuser. Da erhalten sogar die schwer arbeitenden Menschen einen gewissen romatischen Charakter.

Im Dämmer noch der Weg in ein kleines Dorf zum letzten Interview und Fototermin. Ein ehemalisges Pionierlage, vor über 20 Jahren zum Flüchtlingscamp umgebaut. Jetzt stehen nur noch einige der Papp- und Holzhütten und das Steinhaus des ehemaligen Camp-Arztes. Auch Leute gibt es kaum noch - die Romantik vergeht schnell angesichts der Lebensbedingungen.

Nachtszene in Vardenis: Das "Stadtzentrum" erhellt von einigen Autoscheinwerfern und kleinsten Lädchen. Alles verschneit und vereist.



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Mi

03

Dez

2014

Is it "The Zone" or "Landscape in the Mist" ...

Beides: Tarkowski und Angelopoulos: Im "Secret Garden" vermischen sich Bilder mit Realität wie kaum anderswo. Erzählungen ufern aus in die Vergangenheit und in Fiktionen. Der Nebel hält die Bilder zusammen; die Geschichten wachsen aus ihm heraus. Aber es braucht ihn, um diese Geschichten überhaupt erst an das trübe Licht der vernebelten Gegenwart zu bringen.

Hier sind alle Grenzen fliessend, von keiner Autorität anerkannt und dennoch da, in vielen Dimensionen. Und  dieser Garten ist so fruchtbar! Und furchtbar ebenso, wenn man ihn betritt und all die Spuren der letzten Jahre mit aller Macht ins Bewusstsein getrieben bekommt - hier war auch die Hölle. Unsere Gegenwart.



Both: Tarkowski an Angelopoulos: In the "Secret Garden" images and reality are mixed than almost anywhere else. Narratives lost their shapes into the past and to fiction. Gog keeps the images together, stories grow out of it. But it needs the mist to bring the stories into the foggy present. Boarders are fluent, mot recognized by any authority but existing. This garden is fertile! But terrible too. It was a hell as well. Our reality.

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Do

20

Nov

2014

Das Ende eines Weges?

Norabak. Danach kommt nur noch die Grenze zur Azerbaijan. Im Dorf leben Armenier, Flüchtlinge aus Azerbaijan, seit langem schon in den Häusern, die früher von Azeries bewohnt waren. Diese sind umgekehrt in armenische Häuser auf azerbaijanischem Territorium eingezogen.

Luba, Elvira und Geretsik sind Mitglieder einer kleinen Gruppe von Flüchtlingsfrauen, die ihre Trauer um seit langem vermisste Familienmitglieder gemeinsam teilen. Sie treffen sich im Community Center der kleinen, von Caritas Armenia unterstützten NGO "Astghavard" und erzählen sich ihre Geschichten. Melanya von Astgharvard teilt nicht nur die Wärme der kleinen Heizung mit Ihnen, sondern auch ihre menschliche.

Geredzik zeigt auf die Tafel mit den Vermissten, die im Centrum aufgehängt ist und Elvira holt einen alten Zeitungsbericht aus ihrer Tasche, der sie als Kämpferin im Jahr 1992 zeigt.

In den Dörfern ganz am Rande des Landes herrscht auch bei grosser Armut grosse Gastfreundlichkeit, was Lubas Tisch sehr deutlich zeigt.

Aber überall deuten eine Unzahl von Ruinen auf eine längst vergangene Zeit. Die ehemalige Moschee von Norabak: Das Wetter hat sie zerstört sagt man ...

Jedenfalls hat das Wetter selbst den Namen des Ortes vom Schild getilgt - dahinter kommt nur noch Niemandsland.


Norabak. After this village is only the border to Azerbaijan. In the village armenian refugees lives in houses that were once inhabited by Azeries. These are inversely drawn into Armenian houses on azery territory.

Luba, Elvira and Geretsik are members of a small group of refugee women who share their grief for long-missing family members together. They meet in a small community center from the lokal NGO "Astghavard" supported by Caritas Armenia, and tell each other their stories. Melanya of Astgharvard shares not only the warmth of the small heater with them, but also their human heat.

Geredzik points to the table with the missing, which is shown in the center and Elvira brings an old newspaper report from her bag, which she presents as a fighter in 1992.

Despite the poorness of the region on the border even here the hospitality is  overwhelming  what is  shown at Lubas table.

Ruins everywhere - and the even the ruin from the former Mosque.

Anyway, the weather has redeemed even the name of the place from the sign - behind only comes nowhere.




 

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Mi

19

Nov

2014

Flüchtlings-"Hilfe" ;-)

Rena De & Armens, "The Club", 15.11.2014. Fotoserie bei einem ihrer Konzerte, das ich zufällig miterlebte. Bei einem Glas Wein erfuhr ich, dass sie aus Syrien fliehen mussten. Eine andere Flüchtlings-Geschichte. Und ein kleiner fotografischer Beitrag zur Unterstützung meinerseits ;-)

Rena De & Armens, "The Club" 15.11.2014. I took some photos during a concert. With a glass of wine, I learned that they had to flee  from Syria. Another refugee story. And a small photographic contribution to support them ;-)

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Di

18

Nov

2014

Inside the UFO

Das ist nicht Stanford oder dass MIT.  Das ist TUMO - klingt ja fast wie UFO ;-) Ist aber Realität. Inmitten von Yerevan und in einem Land, wo ausreichende Bildung für alle noch lange nicht Standard ist. Hier haben Kinder freien Zutritt zu neuester Technologie und kreativer Bildung. Aber es wirkt dennoch irgendwie unwirklich. Was für ein Bruch mit der Aussenwelt!


It isn't Stanford or MIT. It is TUMO - sounds a little bit similar like UFO ;-) But it's reality.
In the midst of Yerevan and in a country where adequate education for all is far from standard.
Here children have free access to the latest technology and creative education.
But it still looks unreal. What a break with the outside world!

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So

16

Nov

2014

Vostok SOS, 3. Etage - Unterstützung für die Unterstützer

Hilfe für IDPs Ukraine

SOS für den Osten der Ukraine. Das ist Name und Motto dieser Gruppe von Freiwilligen, die vor allem aber auch Hilfe für die Binnenflüchtlinge aus der Seperatistenregion organisieren und versuchen, die fehlenden staatlichen Strukturen und Unterstützungen durch ein breites Netz von "Volonters", so der russische Begriff,  zu ersetzen.

Angesichts der grossen Zahl dieser Binnenflüchtlinge (zur Zeit rechnet man fast mit einer halben Million Menschen, die das umkämpfte Gebiet in den letzten Monaten verlassen haben) erscheint Hilfe für jeden Einzelnen kaum sinnvoll organisierbar. So lag die Idee, Ansätze des Community Development in die Arbeit einzubeziehen, nicht weit.

Dann kam die Einladung an mich, einen Workshop mit einigen der Volonters durchzuführen (das letze Mal habe ich meinen Namen vor ungefähr 35 Jahren in russischer Schrift gesehen!).

Drei Tage intensive Arbeit und abends Diskussionen, drei weitere Tage mit Besuchen in den Camps und anderen Stellen in der Stadt, wo diese junge Bewegung der Freiwilligen, auch ein Ergebnis des Maidan, nach allen Kräften zu helfen versuchen. Es ist beeindruckend, mit welchem Einsatz diese Menschen dabei sind, eine ganz eigene Kultur sozialer Unterstützung aufzubauen. Mit vielen Ideen, viel Engagement - aber auch immer wieder an die Grenzen dieses persönlichen Einsatzes geratend. Ihre Hilferufe richten sich nicht auf mehr materielle Unterstützung, die momentan vor allem von der einheimischen Bevölkerung, aber auch von internationalen Unterstützern sicher gestellt wird. Was sie brauchen ist Wissen und Skills, wie man in solchen komplexen Situation arbeiten kann, ohne auszubrennen und trotzdem etwas zu erreichen, was zumindestens ansatzweise nachhaltig wirkt. Momentan werden sie überflutet von Einzelfällen und Anfragen und drohen in dieser Flut zu versinken.

 

SOS for the East. This is the name and motto of this group of volunteers. But mainly they organize assistance for the IDPs from the seperatist region and try to replace the missing state structures and support through a wide network of "Volonters," the Russian term. Given the large number of internally displaced persons (currently one equivalent of almost half a million people who have left the war area in the last few months) it makes little sense to organize help for every single person.  So the idea to involve the community development approaches in the work were not so far away.

Then came the invitation to me to conduct a workshop with some of the Volonters (the last time I saw my name about 35 years ago in Russian). Three days of intensive work and discussions in the evenings, three more days with visits to the camps and other places in the city where this young movement of volunteers, also a result of the Maidan, try to help. It's amazing to see how these people are building a unique culture of social support. But they are always at the limits of this personal commitment. Their cries for help are not directed to more material support, which is currently ensured mainly by the local population, but also by international supporters. What they need is knowledge and skills, how to work in such a complex situation, without burning out and still achieve something that looks at least rudimentary sustainable. Currently they are overflooded with individual cases and inquiries and threaten to sink in this flood.
 

 

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Sa

15

Nov

2014

No occupation

Demonstration auf dem Mykhailivs'ka Platz inmitten von Kiew. Ukrainer und in der Ukraine lebende Georgier protestieren gemeinsam gegen Russland, dem sie Okkupationsbestrebungen vorwerfen.

Die Demonstration ist ein Mix aus allen möglichen Bewegungen: man sieht die ukrainische Flagge, die georgische,  die der  EU und der Nato. Aber auch neofaschistische Bewegungen wie der "Rechte Sektor" sowie ostukrainische "Freiwilligeneinheiten" wie das Donbass-Batallion halten ihre Fähnlein in den kalten Novemberwind. Die Kirche bildet dabei nicht nur den malerischen Hintergrund, sondern ist ebenfalls aktiv vertreten.



Demonstration at the Mykhailivs'ka square in the middle of Kiev. Ukrainian and Georgians, living in the Ukraine are protesting together against Russia, whom they accuse of occupation aspirations.

The demonstration is a mix out of a variety of different movements: one sees Ukrainian and Georgian Flags as well as from EU and Nato. But even neofascist movement as "Right Sector" and east ukrainian "Voluntary Units" as the "Donbass Battalion"  keep their flags in the cold november wind. The Church forms not only the picturesque background but is also actively represented.

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Mo

10

Nov

2014

Zeitsprung Ukraine/Time travel Ukraine

Hier ist alles noch ganz aktuell. Die Menschen, die hier nicht Flüchtlinge sondern Intern Displaced Persons heissen, da sie ja im eigenen Lande vertrieben wurden, sind noch nicht so lange hier und täglich werden es mehr. Und nicht immer sind sie willkommen, sondern stellen für die Kiewer Bevölkerung eher ein Problem dar.
Was in Armenien scheinbar von der Zeit vergessen gemacht wurde oder nach 25 Jahren zu einer Art gewohntem Elend für die Betroffenen geworden ist, daran müssen sich diese Menschen hier erst noch gewöhnen. In temporären Unterkünften auf engstem Raum mit schlechter Infrastruktur und kaum sanitären Einrichtungen zu leben, oft in einem Zimmer mit mehreren Fremden.

Die Verbindung zu den Verwandten funktioniert oft nur per Handy, der Blick ist verstellt von den verbliebenen Überresten der alten Zeit ...

 

The people called Intern Displaced Persons (IDP), because they where expelled from their home in the own country, recently came here. And the number increases daily. 

In Armenia the situation of refugees got forget in time or became a kind of familiar misery. Here the people have to learn to deal with their new environment. In temporary shelters They live very dense with bad infrastructure and sometimes together with some strangers.

The connection to the relatives often only works on mobile phones; the view is blocked by remaining relicts from the old time ...

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So

09

Nov

2014

Save Ukraine now

Sonniger Herbsttag in Kiev. Die Strassen voller Menschen, flanierend, das Wetter und den Sonntag geniessend. Kaum zu glauben, dass in diesem Land Krieg herrscht.

Wären da nicht z.B. der Ballon mit der Aufforderung zur Sicherung des Landes und die Kinder, die für eine kirchliche Aktion zugunsten von Waisenkindern von im Krieg umgekommenen Eltern in den Farben der ukrainischen Flagge ihren Patriotismus heraussingen müssen. Sind es selbst Waisen, oder sind es Schulkinder, aufgeregt von ihren Lehrerinnen umflattert? Im Hintergrund stimmt hin und wieder eine Chor junger Priester (Mönche?) ein Lied an. Uniformierte Jungen sind ebenfalss Teil der Inszenierung, deren VIP-Gäste ein hoher Priester der hiesigen Kirche sowie ein Kirchenmann aus den USA sind. Dazwischen haben einige ältere Menschen ihren "neuen" Gott bereits gefunden, können es aber nicht lassen, auch andere von ihrem Guru überzeugen zu wollen. Als hätte solcher Fanatismus nicht schon genung Übel hervorgerufen, und als würde die Gegenwart um sie herum nicht existieren. Natürlich tun sie dies im Namen des ewigen Friedens!

Auf dem Maidan künden Kerzen, Kränze und Plakate von den Ereignissen des Frühjahrs - sonst nichts mehr.

 

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Sa

08

Nov

2014

"All is lost"

... featuring Robert Redford.

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Fr

07

Nov

2014

"Let's go out of this hell ..."

Die Worte einer jungen Sozialarbeiterin, die mich als Dolmetscherin begleitete. Es war ihr erster Besuch in einer der Flüchtlingsunterkünfte und sie hatte das Pech, dass es tatsächlich eine der schlimmsten war, die auch ich bisher besucht habe. Es ist nicht nur der Rand der Stadt, inmitten eines riesigen Industrieruinenfeldes, es ist auch der Rand der Gesellschaft, von dem niemand weiss und auch niemand wissen will.

Auf der Treppe traf ich Emgard für einige Sekunden, sie dankte mir, dass ich sie fotografiert habe. Ein ganz klein wenig Aufmarksamkeit im Halbdunkel.

Später in Ihrer Wohnung erzählte sie von ihrem Sohn, der in Karabakh in einem Panzer verbrannt ist und dass sie danach fast zehn Jahre die Sprache verloren hat. Erst seit einiger Zeit kann sie wieder sprechen - aber für ihren Beruf als Lehrerin ist es nun zu spät.

Emma lebt auch seit 25 in einem Zimmer ohne Küche, ohne Toilette, ohne Bad. Seit dem Unfalltot ihres Sohnes und der Schwiegertochter vor sieben Jahren teilt sie das Zimmer, ungefähr 4x2,5 Meter,  mit ihrer Enkelin, die während unseres Gespräches aus der Schule nach Hause kam. Äusserlich kein Unterschied zu den gut gekleideten Mädchen in Yervans City - aber welches Leben hat sie hinter sich, welches vor sich?

Seda, 85, blind, liegt nur noch im Bett. Der Fernseher steht noch da, ist aber ausgeschaltet. Als meine Begleiterin mir die Tür zeigt und sagt, dass diese nicht mehr schliesst bemerkt Sea trocken: hier schliesst keine Tür mehr ...

 

How to get out of here ...

 

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Do

06

Nov

2014

Morgendliche Begegnung

Auf der gegenüberliegenden Seite hole ich gerade meine Wäsche vom Vortag von der Leine. Ein Rollenbruch - das ist Frauensache. Es muss merkwürdig für die vielen Hausfrauen ringsherum aussehen, wenn immer mal wieder ein Mann seine Wäsche aufhängt und einhohlt. Und was vor kurzem noch ein wenig Folklore war für mich ist nun Teil meines Alltags.

Mit allen Vor- und Nachteilen dieser Technik: kurze Wege, die Wäsche immer im Blick (wenn man zu Hause ist, was ich fast nie bin) und auch etwas Kommunikation mit den Nachbarn gehören sicher zu den traditionellen Werten dieser Trockenmethode.  In Georgien wurde mir ausserdem erzählt, dass man an der Art, wie die Wäsche hängt (Reihenfolge der Farbe, Grösse, Ordnung nach Geschlecht etc.) auf den Charakter der Hausfrau und damit auf die Art und Weise des Familienlebens schliessen könne. Ein Thema für eine ethnologische Studie!

Nachteil für so jemanden wie mich, der seine Kleidungsstücke nicht immer im Blick hat und sie auch mal über Nacht hängen lässt: es kommt schon vor (wie heute), das aus den Wohnungen über mir die Zigarettenasche einfach am Balkonrand abgeklopft wird und sich dann  über die vormals schwarze Kleidung verteilt. Etwas heftiger waren die Putzstücke, die aus der Baustelle in der Wohnung direkt über mir eines Tages an der Wäsche hängen blieben.

 

Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt (der natürlichen, aber auch der sozialen, wenn sie nicht unmittelbar zur Familie gehört) ist eine der hevorstechendsten kollektiven Eigenschaften in diesem Land.

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Mi

05

Nov

2014

Anonymous for "Revolution of values"

In einem Bild sieht man so viele Widersprüche dieses Landes. Die Freiheit, maskiert auf Yerevans Strassen zu stehen, während andere hinter getönten Scheiben in ihren viel zu teuren Autos vorbeirauschen, ohne überhaupt Kenntnis davon zu nehme. Eine Aktion der Solidarität mit den politischen Gefangenen im Lande, die es offiziell nicht mehr gibt. Anders als bei den Auseinandersetzungen vor einem Jahr, zu dessen Gedenken sich Anonymus heute auf die Strasse wagt,  fährt die Polizei  ebenfalls vorbei , jedenfalls noch zu diesem Zeitpunkt. Hier gibt es kein Geld zu holen, also was soll's.

Plötzlich erscheint ein Mann auf Krücken, der mit extremer Aggressivität auf einen der Aktivisten losgeht und  damit die Passanten zur Parteinahme bringt Ein Provokateur, der für ein paar armenische Drams seine Rolle spielt?  Oder jemand, der für die eigene desolate Situation ein Ventil sucht?

 

Ob es am Abend  wieder zu Auseinandersetzungen kam, ist bis jetzt nicht klar - Polizei gab es genug in der Innenstadt. Ob offiziell oder in verschiedener Form undervcver. Aber diese Leute haben keine Übung darin, sich zu verstecken und brauchen es auch nicht. Sie sind "die Macht"!  Und sie sind gut ausgerüstet ;-)

 

 

Nachtarg am nächsten Morgen:

Doch, es hat Verhaftungen gegeben, mit abenteuerlicher Begründung.

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Di

04

Nov

2014

Armenischer Social Work Day und Winter in Yerevan

So sieht das in dieser wunderbaren armenischen Schrift aus, wenn man an der Yerevan State University zum armenischen Social word day einlädt. Und dazu tanzt! Links sitzen die Dozentinnen und Dozenten, rechts die Studies und alle haben Freude daran. (sorry for the qualitiy of the video, but this is not my stuff).

Eis auf den Pfützen und der Ararat ganz in weiss. Nun ist der Winter wohl da im durchschnittlich 1000 Meter über dem Meer liegenden Yerevan.

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Mo

03

Nov

2014

Geschichten erzählen

 Das können sie alle, die alten Frauen und Männer, die noch in den Häusern wohnen, die von der Regierung und von internationalen Organisationen während und nach den Konflikten mit Azerbaijan gebaut wurden. Auch wenn der Fernseher überall die ganze Zeit läuft gibt es viel zu erfahren. Rosa (87) zeigt ihr Arbeitsbuch aus Sowjetzeiten, ihr einziges Dokument, welches ihr eine schmale Rente sichert. Die Mutter und der Bruder sind bei den Riots 1988 in Baku umgekommen. 

Sinaita, die mit ihrem 22jährigen Sohn zusammen in einer winzigen, vom UNHCR zu Verfügung gestellten Wohnung lebt, will ihr verweintes Gesicht nicht auf einem Foto sehen, lässt  aber zu,  das Bild ihrer Tochter, die zusammen mit Sinaitas Eltern beim Erdbeben in Spitak (1988) umgekommen ist, und die Weltkarte mit allen Sehnsuchtsorten, aufgenommen werden. Sie selbst, die mit der ganzen Familie ebenfalls 1988 aus Baku kam, hat beim Erdbeben zwei Tage unter Ruinen verschüttet überlebt. In der kältesten Jahreszeit in einer der kältesten Städte Armeniens. Seitdem scheint die Zeit stiil zu stehen.

Der 95jährige Varashak erzählt die erstaunlichsten Geschichten aus dem 2. Weltkrieg, seinem Besuch in Weimar nach der Einnahme von Berlin, an der er ebenso beteiligt war wie an der Befreiung verschiedener Konzentrationslager, den "armenischen" Vorfahren Goethes, denen zu Ehren er ein langes Gedicht verfasst hat. All das steht in seinen Büchern, die er nach langem Kramen aus dem einzigen Schrank in seiner Wohnung hervor holt. Nachdem vor vier Jahren seine Tochter gestorben ist will er, der inzwischen auf einem Auge blind ist, wie er uns zeigt, nur noch in seine Heimat Karabakh, die symbolisch als Gemälde des Klosters Gandsazar, gemalt von seinem Bruder, die Wand schmückt. Beim Abschied fängt er auf einmal an, deutsch mit mir zu reden, als wäre die Erinnerung daran, dass er als Kind die Sprache einmal gelernt hat, in eben diesem Augenblick zurück gekehrt. Er hat keinen Sohn gezeugt, aber er hat mehrere Bücher geschrieben und er hat vor dem Flüchtlingshaus 30 Bäume gepflanzt. Wenn jeder Mensch in Yerevan wenigsstens einen pflanzen würde, so sein Traum, wäre es die grünste Stadt der Welt.

Im "Korea-Valley", so genannt nach den hier wohnenden Nordkoreanern, denen die damalige UdSSR  im Koreakrieg Anfang der 60er Jahre eine Bleibe bot, erzählt Laura, 73 und mit Ihrer Tochter und Enkelin in einer Einzimmerwohnung wohnend, von den Hoffnungen, doch noch ein eigenes Heim zu bekommen. Die Tochter will nur weg aus dem Land, wie sie erzählt, während die Enkelin sich hausfein macht und die Schularbeiten erledigt.

 

Geschichten erzählen auch die Wände ...

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So

02

Nov

2014

Sonntagabend

Einladendes Licht hinter der Statue von Aram Chatschaturian. Kein Säbeltanz stand auf dem Programm, aber das Sayat Nova Ensemble mit traditioneller armenischer Volksmusik. Innen Hochglanzfolklore - und nach dem Ende des Konzertes draussen Eis und Schnee und ein heftiges Gewitter. Jetzt schaut Aram nur  noch den schlitternden und sich gegenseitig stützenden Konzertbesuchern zu, während im Haus die Lichter ausgehen.

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Sa

01

Nov

2014

Die Sense in der Bankzentrale

Warum sollte es in Yerevan anders sein als anderswo? Wo?

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Fr

31

Okt

2014

Abovyan Refugee House

Abovyan, eine Industriestadt nordöstlich von Yerevan. Erbaut Anfang der 60er jahre hat dieser Ort das typische Antlitz dieser Zeit, ergänzt in den letzten 25 Jahren durch mehr oder weniger schöne Neubauten, wie sie übarall in der Region zu finden sind. 

Seit 1988 gibt es dieses Haus für Flüchtlinge aus Azerbaijan und die meisten der älteren Leute wohnen henauso lange in diesem Block. Am Eingang warten die alten Männer auf irgendwas und der Fotograf aus Switzeria ist eine willkommene Abwechslung. Das Blech über dem Eingang trägt noch die siegesgewissen Sprüche einer lange vergangenen Zeit und keiner nimmt diese Zeichen noch wahr. Inzwischen wohnen auch hier verschiedene Generationen, die vor allem eines verbindet: eines Tages hier rauszukommen und wie die meisten der anderen ehemaligenFüchtlinge ein eigenes Haus zu bekommen. Aber dafür gibt es derzeit kein Geld mehr, wie im Interview mit dem Leiter der staatlichen Migrationsbehörde zu erfahren war. Die internationalen Unterstützer haben ihre materielle Hilfe eingestellt und der Staat hat kein Budget mehr für die verbliebenen ca 10.000 Menschen, die in diesen alten Unterkünften hausen müssen. 

Und es ist rechtlich eine sehr verfahrene Situation: Ein grösserer Teil der Menschen hier hat im Laufe der Zeit die armenische Staatsbürgerschaft beantragt und den Pass in den meisten Fällen auch recht schnell und unkompliziert bekommen. Damit aber haben sie ihren Anspruch auf Unterstützung als Flüchtlinge, die sie ja zumindest auf dem Papier nicht mehr sind, verloren. Die anderen haben nur ein staatliches Travel Document, wodurch sie weiter den Flüchtlingsstatus haben, aber dafür viele andere Bürgerrechte nicht. Bereits ein Konto bei der Bank zu eröffnen ist ihnen nicht möglich. 

Der Winter steht erst vor der Tür, aber viele haben bereits die Öfen aufgestellt, die einzige Möglichkeit für die allermeisten, die sich Gas oder Strom kaum leisten können, die kalte Jahreszeit zu überstehen.

In den Geschichten, den Gesichtern, den Wohnungen dieser Menschen findet man das ganze Spektrum von Resignation, Resten von Wut, aber auch Hoffnung. Viele kleine Zeichen überall, die zeigen, dass sie sich fast alle Würde und ein wenig Zuversicht bewahrt haben. Ob Blumen, die Medaillien des boxenden Sohnes, oder die "Ecke der Hoffnung", in der wohl schon tausende von Gebeten gesprochen wurden.

Und natürlch sind es die Kinder, die auch hier die grösste Hoffnung sind, dass ein anderes Leben möglich ist.

 

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Mi

29

Okt

2014

I love ...

Flur der soziologischen Fakultät der Yerevan State University. Beinahe schon ein wenig vertraut. Inzwischen zum 5. Mal vor bzw. mit Social Work Masterstudies Community Development Lecture gehalten. Ist's schon bei "uns" eher eine Randsportart der Sozialen Arbeit, so ist CD in der armenischen Sozialarbeiterausbildung (und auch Praxis) eigentlich nicht vorhanden.

Diese Gruppe bereitet eine Veranstaltung für die Dozentencommunity anlässlich des Social Work Day naächste Woche vor. Unter dem Motto "Train the Trainer" üben sie Aktivierung und praktische Partizipation, um ihren Unmut über den fehelenden Praxisbezug und den Frontalunterricht zu demnostrieren. Social Work on a basic practical level.

 

Morgen gehts auf die andere Seite des Gebäudes, zu den Linguistikern und Semiologen. Dort wird mein Thema "Reading the surface of the city" sein. Oder so ähnlich - aber es hat mit Zeichen und Stadt zu tun und damit kenne ich mich ja ein wenig aus. Die Einladung kam von Grigor, einem neuen Fraund, Stadt-Aktivist und Sprachwissenschaftler. Hier gibt es viele ganz kurze Wege ...

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Di

28

Okt

2014

Die dritte Generation

Vor 25 oder etwas später sind sie gekommen. Die Flüchtlinge aus Baku und anderen Orten in Azerbajan. In den Nachrichten war damals etwas "Unerhörtes" zu vernehmen: offene militärische Konflikte in der bis dahin eisern zusammen gehaltenen und/oder von Informationen (nach innen und nach aussen) abgeschirmten Sowjetunion. Nagorno Karabakh, eine von vielen Armeniern bewohnte Region, die zu Sowjetzeiten der Sowjetrepublik Azerbajan zugeschlagen wurde, war auf einmal Schauplatz offener ethnischer Auseinandersetzungen geworden, mit dramatischen Auswirkungen für beide Republiken 25 bis 50 Tausend Tote und über eine Million vertriebene Menschen auf beiden Seiten - und die Vertiefung einer lange währenden ethnoschen und religiösen Feindschaft, die - aus meiner aktuellen Perspektive, also aus armenischer Sicht - fast jede Familie irgendwie betrifft. Das Thema ist überall präsent, nicht nur, weil es im August 2014 zu neuen bewaffneten Auseinandersetzungen kam, die die Brüchigkeit des seit 1994 anhaltenden Waffenstillstandes deutlich machen.

 

In Kasakh, einem Stadtteil am nordwestlichen Rand von Yerevan, leben auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnis noch über tausend Flüchtlinge mit ihren Familien und Kindern, die inzwischen in dritter Generation Teil dieser schrecklichen Geschichte sind. Allerdings kann niemand genau sagen, wie viele der ehemals hier wohnenden Flüchtlinge weiter gezogen sind, um ihr Glück in Armenien, Russland oder sonst irgendwo auf der Welt zu suchen.

 

In umgebauten Gefängnisbauten, neu errichteten Häusern, aber auch in damals errichteten bzw. provisorisch umgebauten "temporäry shelters", also für eine kurze Zeit gedachten Behausungen sind sie inzwischen fest integrierter Bestandteil der Dorfgemeinschaft, mit allen sozialen und materiellen Unterschieden.

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Mo

27

Okt

2014

Grenzland

An der türkischen Grenze scheint das Land härter, karger, verlassener als anderswo. Kaum irgendwo wird es so deutlich wie in dem Dorf Anipemza. Am Ortseingang grüsst ein Schild, welches vom 27. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion kündet, ehemals (1986) Zeichen des Aufbruchs und der Hoffnung für viele Menschen in der UdSSR und Osteuropa. Jetzt ist die Farbe verwittert, Schrift und Symbole sind kaum noch erkennbar. Rost nagt an den Einschüssen im Blech, deren Herkunft nicht zu enträtseln ist. Einen Kilometer weiter auf der verfallenen Strasse grüsst auch hier ein "Dobro poschalowtsch"-Schild, bietet jedoch ein ziemlich verzweifeltes "herzlich willkommen". Die Strasse endet als Sackgasse im Dorf. Dort , wo sie in einen Feldweg übergeht, ebenfalls verwitterndes Blech, ehemals mit den Farben der armenischen Flagge geschmückt, sowie eine Tuffsäule mit den für das Dorf bedeutsamen Katastrophendaten 1915,1941,1945 und 1988.

Aus den nahen Steinbrüchen rollt selten ein LKW mit riesigen Steinbrocken ins Landesinnere - angesichts der monumentalen Steine scheint der Grenzzaun nahzu zerbrechlich. Aber wie desolat er auch aussehen mag, er beherrscht die Gegend und verweist demnostrativ den Ararat aus dem Land.

Für die Dorfjugend scheint dies alles normal zu sein und die berühmte, aber kaum mehr von Touristen besuchte Yererouk Basilika ist ihr Freizeitort. Das UNESCO-Weltkulturerbe als Abenteurspielplatz. Nur wenige Kilometer von hier stand einmal  Ani, die alte Hauptstadt Armeniens, deren Ruinen aber nun ebenfalls hinter der Grenze in der Türkei liegen.

 

Wenige Kilometer an der Grenze entlang Richtung Norden reckt die kleine Kirche von  Jrapi verzweiflet ihr Kreuz in den Himmel über dem Tal, auf dessen anderen Seiten die Sichel über den Dörfern schwebt.

 

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So

19

Okt

2014

Nightmare on Leningradyan?

Abends beim Gang zum Brotladen, wo bis in die späte Nacht hinein das unvergleichliche armenische Brot gebacken wird, starrte für wenige Sekunden dieses Gesicht von der Leuchtreklame am Fussgängerübergang über die Leningradyan, einer breiten Zubringerstrasse zu den Schlafstädten am Rande Yerevans.

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Sa

18

Okt

2014

Strahlendes Land

Manchmal an diesen Herbstabenden legt sich ein unglaublich intensives Licht über das Land und lässt es erstrahlen. Farbrausch, Sinnes-Wandel, Metamorphose!

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Do

16

Okt

2014

шлагбаум и добро пожаловать (Schlagbaum i dobro poschalowatch)

Kleiner Ausflug nach Georgien und auf dem Rückweg durch das Gebiet des Erdbebens, welches 1988 den Norden Armeniens heimsuchte und, so die aktuelle Erfahrung, auch bis in georgisches Territorium hinein deutliche Spuren hinterliess.

Die Fahrt von Tbilisi bis an die Grenze, keine hundert Kilometer, dauerte dreieinhalb Stunden, wobei die letzten 20 Km dreiviertel dieser Zeit in Anspruch nahmen. Plötzlich schien sich die Strasse in einen Feld-, manchmal eher Waldweg aufzulösen. Dann wieder asphaltierte Strecken, an den Rändern aufgeworfen wie eine Rennbahn. Allerdings war an zentrifugale Kräfte entwickelnde Geschwindigkeiten nicht zu denken, dafür waren Slalomkünste und kräftige Stossdämpfer gefragt. Immer wieder das Gefühl, dass die Piste hinein führt in eine Art Niemandsland. Am Rande nur vereinzelt Hoffnung machende Kilometermarkierungen,  die Entfernung von Tbilisi und bis zur angnommenen Grenze anzeigend. So die Vermutung. Andere Anzeichen gab es nicht, zumal die wenigen passierten Häuser und Ansiedlungen bis auf wenige Ausnahmen verlassen wirkten, selbst wenn sie nicht zerstört waren. Dann plötzlich zwei entgegen kommende Autos mit armenischen Kennzeichen.

Jaaa, es gibt ihn also doch, diesen Übergang ... !!! Auch wenn er bei der Annäherung eher provisorisch wirkt. Auf den Karten  ganz normal eingezeichnet und auf offiziellen Auskunftsseiten als "international" angezeigt: der Gernzübergang Guguti auf der Landstrasse zwischen Bolnisi (Georgien) und Tashir (Armenien). Ein Schild, dessen Alter nicht zu identifizieren ist, sicher aber kaum auf gegenwärtigen internationalen Grenzverkehr hinweist. Die Staatswappen jedenfalls sind entfernt. Dann der шлагбаум (aus dem Deutschen 1:1 übernommen), der sich aber als ein Strick entpuppt. Dieser wird aus einem kleinen Häuschen von einem müde wirkenden armenischen Grenzsoldaten bewegt, wenn im Halb- oder Stundentakt ein Fahrzeug den Übertritt wagen will. Zuvor werden aber sorgfältig wie überall die Papiere geprüft, ein kritischer Blick auf das armenische Auto und Fahrzeugschein und unsere deutschen Nasen geworfen. Dann die langsame Handbewegung, der Strick sinkt in den Schlamm, die Fahrt ist frei. Hinter uns erhebt sich die Sperre wieder und sichert die ordnungsgemässe Einhaltung der Grenze.

 

Auf armenischer Seite scheint plötzlich alles anders: Baumaterialien, Maschinen, Hinweisschilder auf massive Baumassnahmen, von EU, UN und anderen gefördert. Die alte Strasse wird, 26 jahre nach dem Erdbeben, wieder hergestellt ... um ins georgische Niemandsland hinein zu führen. Dort ist von einem Wiederaufbau weit und breit keine Spur.

Ein paar Kilometer weiter grüssen zwei armenische Männer die fremden und streichen weiter das Grussschild aus Sowjetzeiten neu an. Blau ist die Hoffnung!

 

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Sa

11

Okt

2014

2796

Ein stolzes Alter für eine Stadt, die bis vor hundert Jahren noch eher ein Dorf war bzw. eine Ansammlung von kleinen Siedlungen. Und in der man systematisch alles Alte zerstört. Da bleiben nur die goldenen Luftballons. Wie sagte ein Freund: nobody cares!

Ein kleiner Fleck Kunstrasen hat auch seinen Reiz, während der Polizist die Strasse absperrt und dem Staatschef, der hinter schwarz-schwarzen Scheiben sitzt, die Ehre erweist. Mutter Armenia grüsst aus der Ferne.

Geschmückt wird natürlich auch, immerhin soll es ja auch "other images from the city" geben. Z.B. Bären mit Nasenring. Das macht müde und jeder Platz ist recht zum schlafen. Good night and good luck.

 

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Sa

11

Okt

2014

Another Yerevan Nightlife

Auch wenn es laut internationalen Medien "nur" etwa 10.000 Menschen waren, die sich gestern Abend im Zentrum von Yerevan zu einer Demonstartion  versammelten: Es ist zumindest ein Zeichen dafür, dass es eine Civil Society gibt! Die Demo richtetete sich gegen die bestehende Regierung und deren Pläne, einen Reihe von Gesetzen zu ihren Gunsten zu verändern (man erinnere sich an den Coup des Rollenwechsels zwischen Putin und Medwejew).

Am Rande der Demonstration herrschte eher Volksfeststimmung, während die Redner anfeuernde Sprüche in die Menge riefen. Und im Dunkel warteten die Hundertschaften der Polizei ...

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Mi

08

Okt

2014

Yerevan Underground

Es gibt wie in jeder grösseren Stadt dieser Welt auch in Yerevan eine Musikszene, die sich nicht im Opernhaus oder auf den Folklorebühnen abspielt. Die Band Degh mit einer Mischung aus Metal, tollen Melodien und ein paar armenischen Einsprengseln. Der Club Calumet könnte auch anderswo seinen Platz haben. Das Publikum zwischen Althippies, Studenten und  Metalfans, fast ausschliesslich Armenier. Tolle Performance mit viel Energie und Hingabe. Ein guter Einstieg in die "Unterwelt".

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Di

07

Okt

2014

Jahreszeitenwechsel

Seit ein paar Tagen liegt der erste Schnee des sich ankündigenden Winters auf den hohen Bergen des Landes. Nebel, Regen, tiefere Temperaturen - aber auch immmer wieder Sonne und anheimelnde Herbstwärme wechseln sich ab. Für ein erstes und bisher letztes Mal hat vor einigen Tagen der Ararat sein weisses Haupt gezeigt, wofür er allerdings erst das Abendlicht abgewartet hat. Ansonsten hüllt sich der Riese in Wolken und/oder Smog. 

Auf der Fahrt in den Norden verfolgt uns der Nebel und erzeugt manchmal romatische, manchmal beklemmende Stimmungen. Ohne Sonne bekommt das Land noch einmal ein ganz anderes Gesicht.

 

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Fr

03

Okt

2014

в пионерском лагере (v pionerskom lagerie) ... Zeitsprung dank booking.com

Strahlende Zukunftsbilder sind uns auch in den letzten Tagen keine begegnet. Dafür geballte Vergangenheit.  Booking.com versprach ein "Hotel Vanadzor", wie immer auf dieser Seite "nur noch ein Zimmer verfügbar"; also dann: "Vanadzor Hotel" in Vanadzor.

Die Erinnerung an diese Stadt zeigte im Kopf nur Industrieruinen und einige sowjetische Neubauten. Die reale Wahrnehmung zeigte viel mehr Industrietruinen und noch mehr Neubauten. Manche davon postsozialistisch - in ihrer Hässlichkeit jedoch unübertrefflich.

Der Reiseführer spricht von einer blühenden industriellen und städtebaulichen Vergangenheit und von einer möglichen Zukunft. Aber die Vergangenheit wird immer vergangener und von Zukunft ist einfach nichts in Sicht. 

"Vanadzor Hotel": ein ehemaliges sowjetisches Pionierlager. Riesig gross am Rande der Stadt im Wald versteckt. In einem kleinen Komplex hat jemand drei Zimmer als "Hotel" hergerichtet. Alles stimmt, was das Internet aussagt: Gartenblick (Unkraut und Scherben), Pool (Wasser wohl noch aus Sowjetzeiten), Speiseraum (für ungefähr 500 Personen), Frühstücksplatz im Freien (der ganze Wald voller kleiner Unterstände mit Tischen und Bänken, auf denen sicher seit Jahrzehnten keiner gesessen hat). Die dort wohnende Familie war rührend besorgt - aber wo nichts ist, geht auch nur wenig zu verbessern. Trauer ist nicht der richtige Begriff ...

Eine Art Spuk-Area, die alle alten Pioniererinnerungen mit Fahnenapell und Sozialismus-toll-Finden wieder hochgespült hat. Sogar der kleine Trompeter war mit uns. Bis auf wenige huschende Menschen eine leblose Kulisse, die höchstens noch von Kühen genutzt wird und zum Lagern von Heu für den Winter.

Tarkowsky-Stimmung ohne Tschernobyl - hier nimmt einfach die Zeit ihren Lauf.

 

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Sa

27

Sep

2014

"Es war einmal ..."

... . So fangen die alten Märchen zumeist an. Das Ende dreht sich irgendwie ums Weiterleben in Formen, die meist nicht so genau zur Kenntnis gegeben werden. Lediglich "... bis ans Ende ihrer Tage" heißt es dann. Wann ist dieses Ende erreicht. Wann überhaupt ist ein Ende in Sicht, wenn immer wieder mit oder wider besserem Wissen "Neues" erstellt wird, ohne zu schauen, was es schon gibt, was zu erhalten sich lohnt oder was tatsächlich abhanden - auch mit etwas Nachhilfe -  kommen kann. Allerdings sind das in den meisten Fällen eher gerade diese irgendwann vor noch nicht allzulanger Zeit  entstandenen "neuen" Gebilde, auch Häuser genannt, denen kaum nachzuweinen wäre. Die Realität aber sieht anders aus.

 

Es war einmal: fast ein Leitspruch bei der Fahrt durch das Land. 4 Tage Richtung Süden.

Die "Armenische Küche" an der M2, einer der Hauptverkehrsachsen des Landes, steht leer. Kein Bedarf an leckerer Speise - es reicht eine Strohhütte mit selbstgemachter Marmelade, Selbstgebranntem und ein, zwei Sträußen mit Kräutern. Es war einmal - hier ein Zeichen von Verarrmung (materiell und kulturell), an anderer Stelle eher das von geschmack- und emotionlosem Neu-Reichtum (vgl. auch Einträge 9. und 10. Sept. sowie einen direkten Link nach Zürich). Wie gut passt doch das turbokapitalistisch-nachsowjetische "Law for state needs" (vgl. 17.Sept.) zum Schweizer Enteignungs-"Recht".

 

Es war einmal: Geschichte gibt es viel zu sehen in Armenien. Allerdings sind die Wege dorthin meist kaum erkennbar, sieht man von einigen  Sehenswürdigkeiten von "besonderer" Bedeutung ab. 

Geschichte (alt) heisst hierzulande vor allem die Geschichte der Armenischen Kirche, von der außerhalb Yerevans sprichwörtlich auf Schritt und Tritt Fragmente in Form von Klöstern und Kirchen bzw. deren Ganz- oder Halbruinen, von wunderbar aus dem unterschiedlichen Gestein gehauenen Chatsch'karen (armenische Kreuzsteine) und von Friedhöfen zu finden sind.

 

Geschichte (neu) verweist eher auf sowjetische Zeite und deren Nachwehen bzw. die Veränderungen nach der Selbständigkeit Armeniens und den damit verbundenen Verwerfungen.

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So

21

Sep

2014

99 Jahre (2. Tag)

Sonntag: jetzt geht die grosse Party los. Tanzgruppen, bestehend aus Mädchen im Alter von 6-7 bis  ca. 18 Jahren. Manchmal taucht ein einzelner Junge auf, der die Reihen anführt. Wieder Folksmusik mit Trommeln und  Zurna  und tw. auch aus dröhnenden Lautsprechern vom Tonband.

Auch die Veteranen tanzen - die letzten alten Männer, die noch auf dem Musa Dag geboren wurden. Allerdings nicht im Kampf von 1915, sondern während der ersten Rückkehr, die nach dem Ende des I. Weltkrieg bis 1938 für die Überlenbenden möglich war. Erst mit der erneuten Übergabe des Territoriums an die Türkei entschlossen sich die meisten der Rückgekehrten, wiederum ihre Heimat zu verlassen. Viele von ihnen gingen mit dem Segen der Sowjetunion in die damalige Sowjetrepublik Armenien und siedelten sich in dem kleinen Dorf an, welches 1972 den Namen Musa Ler erhielt.

 

Das Harissa war übrigens trotz der vielen Feuer und der Mühe der Männer am Morgen, am Mittag und auch am Nachmittag noch lange nicht in dem Zustand, dass es seinem Namen, der auf die Prozedur vor dem Verspeisen hinweist (vgl. Eintarg 20.9.), gerecht würde. Haris = schlag; sa - das. So erklärte es uns beim Essen der Graupen-Lammfleisch-Suppe, die letztelich serviert wurde, einer der Organisatoren des Festes.

Zuviel Regen, zu kalt, die Feuer reichten nicht aus. Dafür waren die Tänze nicht weniger leidenschaftlich und auch die Gesänge unter Mitwirkung der aten Männer reichte zumindest aus, den Platz und die Ohren der dort Anwesenden auszufüllen.

 

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Sa

20

Sep

2014

99 Jahre ...

.... Gedenken an den Genozid an den Armeniern. Eine Geschichte über das systematische Morden, das es so vorher noch nie gab. Neben den Kriegsschauplätzen Europas von der Welt nahezu vergessen und auch heute immer noch ein nicht völlig aufgearbeitetes und bewältigtes Kapitel europäischer und auch deutscher Aussenpolitik. Haben die Deutschen mit dem Holocaust das systematische Grauen für sich reserviert?  

21.09.2014: In diesem Jahre fallen Unabhängikeitstag (1991) und der Gedenktag, der alljählich im kleinen Dorf Musa Ler (armenisch für Musa Dag) in der Nähe von Yerevan gefeiert wird, zusammen. Liegt es daran, dass anstelle der erwarteten Tausenden von Menschen, die sich sonst jedes Jahr hier zusammen finden, nur einige hundert kamen?!

       Oder war es das Gewitter, welches mit eindrucksvollen Blitzen und stürmischem Regen stundenlang über dem Dorf und dem Berg wütete, so dass es schwer viel, sich auf das Fest und das Ritual zu konzentrieren?

 

Wie jedes Jahr am dritten Septemberwochenende beginnen die Vorbereitungen für das Fest bereits am Vorabend. Auf dem Hügel über dem Dorf, auf dem ein Monument und zwei kleine Museen an den Völkermörd erinnern, haben Nachfahren der Musaleris, 99 grosse Töpfe mit Harisa (vgl. unten Franz Werfels Beschreibung) über offene Feuer gestellt. Jedes Jahr wird ein Topf mehr auf den grossen Rosten über den kräftig rauchenden und damit den Abendhimmel zusätzlich verdunkelnden Feuern aufgestellt. Im nächsten Jahr werde es hundert sein. Eine runde Zahl und sicherlich Grund für viele Reden und politische Statements, die wohl letztlich wieder mehr von gloablpolitischem Kalkül als von aufrichtiger Auseinandersetzung mit der Geschichte geprägt sein werden.

 

Am Abend vor der grossen Zeremonie mit Ansprachen, Tanzgruppen, Militärchor und kirchlichen Segnungen steigen vor allem junge Leute auf den Berg, um dem Ritual des Harisa-Kochen beizuwohnen und nach traditionaller Musik zu tanzen und zu feiern.

 

Franz Werfel beschreibt in "Die vierzig Tage des Musa Dagh" ausführlich die Rolle des Harisa-Festes für die Moral der Musaleris und ebenso die Vorzüge dieser armenischen Nationalspeise.

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Do

18

Sep

2014

On the road

Das sind die Bilder des "Dazwischen", die langen Strassen, die Konstruktionen des Unbekannten und der Vergeblichkeit, die Risse in den Oberflächen, die Brüche an den Rändern, der tw. tiefhängende Himmel wie die Musik von Georges Gurdjeff. Eine wundersame, einnehmende und gleichzeitig abwehrende Landschaft, die sich nicht so einfach erschliesst. Es braucht Zeit und viele Kilometer und immer wieder das An- und Einhalten angesichts dieses Landes.

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Mi

17

Sep

2014

"Victims of state needs"

Es gibt doch eine Vereinigung, die sich konkret um die am 9. Septmeber beschriebene Restsiedling an der Buzani St.  kümmert: "Victims of state needs" ist eine NGO, die sich gegen die Vertreibung bzw. die mangelnde Entschädigung der Bewohner dieses Gebietes wehrt. Das "Law about state needs" erlaubt es der öffentlichen Hand, im sogenannten "öffentlichen Interresse" Haus- und Wohnungbesitzer zu enteignen. Was dabei genau das "öffentliche Interesse" ist, weiss keiner so genau und angesichts der anschliessend auf diesem Grund und Boden entstehenden Bauten scheint es eher privater Natur bzw. im Interesse von div. Investoren zu sein.

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Di

16

Sep

2014

Viel Wasser und kein Photoshop

Eigentlich sollte es eine gemütliche Fahrt zum Kloster Khor Virap werden, dem lt. Reiseführer "meist fotografierten Kloster Armeniens". Und dann das ...!

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Mo

15

Sep

2014

Kleinste Kirche, grosse Stimme und viel Mineral

Vater Aritikes: erst sang er allein für uns in der Klosterkirchen von Bdjni im Tal des Hrazdan, dann stieg er mit uns auf den Berg am Rande des Dorfes zur kleinsten Kirche Armeniens St. Sarkis und anschliessend begleitete er uns zur Mineralquelle von Bdjni, (sehr viel Mineralien! und im ganzen Land bekannt) um im Sonnenuntergang zusammen mit uns zu trinken. What a evening!

Auch Geschichte: Sowjetmoderne in schönsten Formen entlang der alten Hauptstrasse im Hradzan-Tal.

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Sa

13

Sep

2014

Mount Aragats

Gamma Ray on highest level: 3190 m, Kari lich, Aragats cosmic ray research station. Ausgestorben und ziemlich frisch da oben. Nur aus dem benachbarten Hotel-Restaurant tönte laute Musik und hin und wieder trat ein Menschlein aus dem oder in das Haus.  

Kirchen und Kreuze gab es natürlich auch: Festung und Kirche Amberd sowie Kloster Tegher  Vank am Aragats,  Armeniens höchstem Berg nordwestlich von Yerevan. Tolle Bauten in toller Umgebung und Blicke weit übers Land.

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Fr

12

Sep

2014

Around Yerevan

Die Entdeckung des armenischen Alphabets. Auf dem Weg zu den Klöstern des Kasakh-Tals auf der linken Seite der Fernstrasse M3 - kurz einmal das Auge vom unübersichtlichen Gegen- und Überholverkehr abgelassen - plötzlich in der Ferne eine Steinansammlung. Erster Gedanke an einen der Friedhöfe mit den imposanten Kreuzsteinen (Chatschkare). Beim Näherkommen dann die Freude darüber, das Steinerne Alphabet gefunden zu haben, von dem ich bisher nur ein paar Bilder gesehen hatte.

Scheinbar ohne Ordnung (die sich sicher finden liesse, wäre man der Sprache mächtig) ragen die mannshohen Buchstaben in den vorabendlichen Himmel und zeugen als moderne Denkmale von einer der ältesten Schriften und einem wichtigen Teil armenischer Identität.

Kreuze und  Kirchen gibt es natürlich auch.

Dorfplatz Saghmosavank. Auf der Datscha neben dem Kloster feiert die Oberschicht mit Champus und russischem Tango ...

 ... ganz nah am Abgrund.

(Kasakh-Tal)


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Do

11

Sep

2014

Edschmiartsin; Perspektivwechsel

Edschmiartsin, das Zentrum der Armenischen Kirche, Sitz des Katholikos (das Pendant zum katholischen Papst). Auch hier: "under (re-)costruction".

Das Gelände gleicht einer einzigen Baustelle. Die Kirche selbst ist eingerüstet, darum herum verteilt eine Vielzahl neuer oder wachsender Gebäude für die ebenfalls wachsende Zahl der Besucher und Pilger, wie es der Reiseführer mitteilt. An diesem Tag eher Ruhe, einige schwatzende und lachende und den blonden Frauen hinterher schauende Priester, wenige Touris.

Da liegt es nahe, einmal eine andere Perspektive zu suchen und sich die Dinge mit einer anderen Optik anzuschauen. Das Schwimmbad aus Sowjetzeiten, gefühlte zwei Fussballfelder gross, mit der verlassenen Sprungturmskulptur bietet dazu die perfekte Möglichkeit.

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Mi

10

Sep

2014

Yerevan September 2014

Unterwegs in einem der anderen Altstadtteile Yerevan:  Kond.

Hier droht der Flächenabriss nicht unmittelbr; der Stadtplan weisst die Siedlung als "under reconstruction" aus. An manchen Stellen zumindest sieht man frischen Putz, auch manch Loch in den engen Gassen ist geflickt. Am frühen Abend sind die Menschen auf den Strassen und wundern sich über den Menschen mit der Kamera. Aber sie freuen sich auch und weissen stolz auf den Ararat, den man in der untergehenden Sonne aufragend von hier aus wunderbar sehen kann.

Wie lange das so bleibt, wie lange die Menschen hier wieiter wohnen können und ob "under reconstruction" heisst, ihre Lebensverhältnisse zum Positiven zu ändern, bleibt abzuwarten. Einige Pläne zeigen komplett andere Szenarien - aber von deren Umsetzung sind bisher nur Rudimente zu sehen. Wenn diese überhaupt einem Plan folgen?!

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Di

09

Sep

2014

Yerevan September 2014

3.40 am Morgen. Am Flughafen Yerevan holen uns die Freunde ab, gut gelaunt und herzlich trotz der Tageszeit.

Nach langem Ausschlafen langsam die Umgewöhnung. Dem mitteleuropäischem, vor allem Schweizer Herbst entkommen sind es hier 35 Grad und über der Stadt liegt der Dunst kaukasischer Hitze. Den Ararat verbirgt ein Hochhaus der kleinen Neubausiedlung, die vor zwanzig Jahren für Flüchtlinge aus Nagorny-Karabach gebaut wurden. In einem dieser Häuser haben uns die Freunde ihre Wohnung zur Verfügung gestellt, die in den nächsten drei  Monaten unser Zuhause  sein wird.

Immer wieder wird es um dieses Thema gehe: Refugees, die Flüchtlinge, Vertriebenen. Gesichter, Situationen, Geschichten. Lebensverhältnisse, Dächer über den Köpfen und die Welt drumherum.

Zunächst aber Yerevan und Umgebendes.

Ruinierte Ruinen: Erster Weg in Yerevans Innenstadt, schon seit Jahren eine Turbo-City, in der es nicht nach europäischen Maßstäben um Gentrifizierung geht, sondern um eine mehr oder weniger flächendeckende Zerstörung von letzten historischen Resten zugunsten der Wahrzeichen des "Neuen Geldes" und der architektonischen Geschmacklosigkeiten.

 

Die "Höhlenbewohner" der Buzand Street: Von aussen sind nur Ruinen zu sehen, Eingänge wie in Katakomben, höhlenartige Räume. Bei Tageslicht sieht man nur diese letzten Fragmente eines einstmals prachtvollen Viertels, welches jetzt von gleichförmig protzigen Hochhäussern eingezingelt ist. Trotz der überall im letzten Verwitterungstadium zu sehenden Schildern der Denkmalspflege ist dieses Viertel der Okkupation der Bulldozer ausgeliefert.

Erst in der Abenddämmerung werden sie sichtbar - die letzetn "Widerständigen", deren Widerstand sich jedoch lediglich aus der Not, keinen anderen Platz zum Wohnen zu haben, speisst. Andere Bemühungen, dieses "Erbe" zu erhalten, sind schon längst nicht mehr zu finden.

 

Boulevard of dreams (brocken): 2012 war er fertiggestellt, der Boulevard wenige Meter von der Buzand Street entfernt. Alles schick,  alles sicher und gut bewacht.

 

2014: andere Höhlengräber am Werk - die glatte Oberfläche muss noch einmal weichen, damit eine tiefe Garage Platz machen kann für all die Luxuskarossen der neuen Menschen, die ungebrochenen Fusses den Boulevard entlang balancieren.

Kein Heimweh am Abend - auch wenn das Licht locken will.

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